Die Geburt rückt näher

Baby-Hand - Quelle: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Rückt der Geburtstermin allmählich näher, stellen sich Frauen oft die folgenden Fragen:

Damit wir Männer nicht vollkommen unvorbereitet mit diesen Themen konfrontiert werden, habe ich hier mal ein paar Dinge dazu nieder geschrieben.

Fangen wir also mit der ersten Frage an, wo soll das Kind zur Welt kommen?

Es gibt drei Varianten. Der wohl beliebteste Ort für eine Geburt ist das Krankenhaus, gefolgt von dem Geburtshaus und der Hausgeburt. Viele werdende Eltern entscheiden sich für das Krankenhaus, da hier bei plötzlich eintretenden Komplikationen schneller ein Arzt eingreifen kann. Im Normalfall wird die Geburt aber nur durch die Hebamme begleitet. Hier habt Ihr die Wahl zwischen einer Hebamme vom Krankenhaus oder Euer eigenen, der sogenannten Beleghebamme. Die Beleghebamme begleitet Euch während der gesamten Geburt. Die Hebamme von Krankenhaus kann bei einer längeren Geburt auch wechseln. Bei den Krankenhäusern unterscheidet man zwischen denen, die eine Kinderstation haben und denen ohne. Meist richtet sich das nach der Größe des Krankenhauses. Kleinere Kliniken ohne eigene Station kooperieren allerdings meist mit einer nahe gelegenen Kinderklinik. Dies bedeutet, dass z.B. regelmäßig ein Kinderarzt vorbei kommt oder dieser im Bedarfsfall alarmiert werden kann. Wem jetzt der Gedanke kommt, aber dann kann es ja vielleicht schon zu spät sein, dem möchte ich entgegen halten, dass natürlich auch Ärzte ohne Spezialisierung auf Kinder in der Lage sind, in Notsituationen geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Meist werden Kinder in eine Kinderklinik verlegt, wenn spezielle Untersuchungen oder Operationen nötig sind. Dafür ist eine Verlegung kein Problem. Hier muss sich aber jeder selber Gedanken machen, wie wichtig einem eine Kinderstation ist. Empfehlenswert ist, eine Kreißsaalführung in den Krankenhäusern zu machen, die in Frage kommen. Neben der Besichtigung der Kreißsäle, bekommt Ihr dort auch viele Informationen über Abläufe und Statistiken und lernt u.U. das Personal kennen. Bei uns war der Chefarzt, eine Hebamme, eine Kinderkrankenschwester, sowie ein Kinderarzt der kooperierenden Kinderklinik anwesend, die alle Rede und Antwort gestanden haben.

Dass es sich um ein kleineres Krankenhaus handelt, hat uns nicht gestört. Im Gegenteil, wir empfanden es eher positiv, da wir das Gefühlt hatten, dass man hier persönlicher betreut wird. Letzten Endes ist dies aber immer eine Gefühlssache. Ihr müsst Euch wohlfühlen, speziell die Frau. Denn eine Geburt ist ein sehr intimer Moment, auf den Sie Sich sicher besser einlassen kann, wenn die Umgebung stimmt.

Wer sich für die Geburt im Krankenhaus entscheidet, der sollte ca. 4 Wochen vor der Geburt zu Anmeldung gehen. Hier werden schon mal alle Daten aufgenommen, so dass Ihr dies nicht mehr erledigen müsst, wenn die Wehen eingesetzt haben. Hier kann man meist auch schon den Wunsch auf ein Familienzimmer äußern. Bei einem Familienzimmer kann der Mann auch im Krankenhaus übernachten. Allerdings muss er die Kosten dafür selber zahlen. Je nach Krankenhaus variieren die Preise zwischen 30€ und 100€.

Wem ein Krankenhaus zu hektisch und unpersönlich ist, der sollte sich ein Geburtshaus anschauen. Sie gibt es meist in jeder größeren Stadt. Geburtshäuser werden in der Regel von Hebammen geführt. Ärzte gibt es hier keine. Meist ist die Atmosphäre in einem solchen Haus viel angenehmer, als in einem Krankenhaus. Hier versucht man die Geburt in einer ruhigen Umgebung stattfinden zu lassen. Auf Medikamente wird ganz verzichtet, statt dessen spielt die Homöopathie eine wichtige Rolle. Dies ist soweit kein großer Unterschied zum Krankenhaus, denn auch hier versuchen die Hebammen in den meisten Fällen erst einmal die Schmerzen durch homöopathische Mittel zu lindern. Eine PDA kann man allerdings in einem Geburtshaus nicht bekommen, da die nur durch einen Arzt gelegt werden darf.

Falls Ihr Euch im Geburtshaus auch nicht wohl fühlt, habt Ihr noch die Möglichkeit, dass Euer Kind bei Euch zu Hause auf die Welt kommt. Oft bieten das die Hebammen in den Geburtshäusern auch an. Sonst findet Ihr vielleicht auf www.hebammensuche.de eine Hebamme, die für die Geburt zu Euch nach Hause kommt.

Wenn die Frage nach dem wo geklärt ist, sollte man sich Gedanken um das wie machen.

Eine natürliche Geburt kann man heutzutage auf vielen Wegen durchführen. Klassisch auf dem Geburtsstuhl, aber auch in der Badewanne, auf dem Geburtshocker oder sogar an der Sprossenwand. Im Idealfall hat Deine Frau im Geburtsvorbereitungskurs schon ein paar Positionen ausprobiert und 1-2 Favoriten. Neben der natürlichen Geburt gibt es auch noch den Kaiserschnitt. In Deutschland liegt die Kaiserschnittquote bei über 30%, Tendenz steigend. In einigen Kliniken ist sogar ein sogenannter „Wunschkaiserschnitt“ möglich. Also eine Kaiserschnitt, der nicht aus medizinischen Gründen durchgeführt werden muss, sondern auf Wunsch der schwangeren Frau. Oft sind die Gründe hierfür, dass die Geburt so besser planbar ist und die Krankenkassen dafür mehr Geld zahlen. Hierzu möchte ich gerne auf eine interessante Podcast Reihe von WDR 5 verweisen. Sie setzt sich mit vielen Themen rund um die Geburt auseinander, u.a. auch mit dem Thema Kaiserschnitt.

Falls Ihr Euch für eine natürliche Geburt entscheidet, dann möglicher Weise nur mit PDA. Auch hier sind die Zahlen in den vergangenen Jahren stark steigend. Interessant fand ich zu diesem Thema den Artikel vom Hebammenblog. Neben den bekannten Vorteilen, nämlich den geringeren Schmerzen, gibt es auch eine Reihe von Nachteilen. Damit sollte man sich auch auseinandersetzen. Wenn eine PDA in Frage kommt, ist es ratsam vorab zum Anästhesie-Gespräch zu gehen. Während dieses Gespräches werden Vorerkrankungen abgeklärt und die Risiken besprochen. Das hat den Vorteil, dass wenn Eure Frau eine PDA bekommen möchte, nicht erst noch das Aufklärungsgespräch und der Papierkram erledigt werden muss. Außerdem könnt Ihr Euch in Ruhe darüber Gedanken machen und müsst das nicht unter den Scherzen der Geburt entscheiden. Meine Frau hatte immer mehr Angst vor der PDA, als vor der Geburt. Nach dem Gespräch mit dem Anästhesisten, zog sie doch eine PDA als letzte Option in Betracht.

Wenn Ihr Euch dafür entschieden habt, Euer Kind im Krankenhaus oder im Geburtshaus auf die Welt zu bringen, steht irgendwann das Packen der Tasche an.

Das solltet Ihr rechtzeitig und in Ruhe machen, damit Ihr auch nichts vergesst. Neben Kleidung und Hygieneartikeln, gehören dort auch ein paar Unterlagen, wie z.B. der Mutterpass, Personalausweis, Krankenkassenkarte und ggf. die Überweisung durch den Frauenarzt. Wenn Eure Frau mehr in die Tasche packt, als Ihr normalerweise für einen 2 wöchigen Urlaub benötigt, dann hab ich hier ein paar Tipps für Dich.

Der normale Aufenthalt im Krankenhaus ist drei Tage (bis zur U2). Hygieneartikel wie Stilleinlagen, Binden, etc. bekommt man auch im Krankenhaus. Genauso wie Babykleidung. Die einzige Kleidung, die Ihr für Euer Kind benötigt, ist die für den Weg nach Hause. Natürlich könnt Ihr für Euer Kind auch im Krankenhaus schon Eure eigene Kleidung verwenden. Allerdings müsst Ihr dann immer drauf achten, dass Ihr diese auch wieder bekommt. Daher ist es einfacher die Kleidung zu verwenden, die das Krankenhaus stellt. Du solltest Dir unbedingt etwas zu Essen einpacken. Eine Geburt kann locker 8-12 Stunden dauern. Und die Ruhe mal eben für 30 Minuten in die Kantine zu gehen, hat man meistens nicht. Auch ist es nicht verkehrt, sich vielleicht etwas zu lesen oder Musik mitzunehmen. Wenn Eure Frau sich mal bei einem kurzen Schläfchen von den Anstrengungen erholt, hast Du etwas, um Dir die Zeit zu vertreiben. Ihr wollt sicher die ersten Stunden von Eurem Nachwuchs in Bildern festhalten. Auch wenn die Handys heutzutage schon ganz passable Bilder machen, bei wenig Licht, müssen die meisten Geräte passen. Also steckt Euch, sofern Ihr habt, eine Kamera ein. Denkt dran, eine leere Speicherkarte und einen vollen Akku dabei zu haben. Auch das Ladegerät fürs Handy sollte mit in die Tasche, denn Ihr wollt doch sicher die Welt wissen lassen, dass Euer Kind auf die Welt gekommen ist.

Zuletzt stellt sich die Frage, wer die Geburt begleiten soll

Über dieses Thema solltet Ihr ehrlich und offen miteinander sprechen. Möchtest Du gerne dabei sein, will Deine Partnerin das auch? Oder kannst Du Dir das überhaupt nicht vorstellen. Wer denkt, er will bei der Geburt lieber nicht dabei sein, weil er dort Dinge sehen könnte, die er nicht sehen will, den kann ich beruhigen. Der Platz für den Mann ist für gewöhnlich am Kopfende neben der Frau. Dort kannst Du Deiner Frau gut zureden, sie beim richtigen atmen unterstützen oder sie ein wenig massieren. Was sich im Detail bei Geburt abspielt, bekommst Du nicht mit. Wenn Du Dir trotzdem absolut nicht vorstellen kannst, bei der Geburt dabei zu sein, dann solltest Du dies frühzeitig Deiner Partnerin mitteilen. Falls Deine Partnerin nicht möchte, dass Du sie bei der Geburt begleitest, ist es wichtig herauszufinden wieso. Schämt sie sich? Hemmt sie Deine Anwesenheit? Sprecht offen darüber und vielleicht findet Ihr so einen Kompromiss, mit dem Ihr beide glücklich seid. Zu viele Personen sollten nicht bei der Geburt dabei sein. 1-2 sind okay, mehr schaden nur und sind in vielen Krankenhäusern auch gar nicht erlaubt. Denn wenn hinterher 3-4 Personen auf Eure unter starken Schmerzen leidende Frau einreden, endet das sicher nur in Streit und Chaos.

Ich hoffe diese Informationen und Tipps waren interessant und hilfreich. Wie immer freue ich mich über Eure Ergänzungen und Meinungen.

Euer Netzvater

Bildquelle: Albrecht E. Arnold  / pixelio.de
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  1. Die ersten Wochen als (Netz)Vater – ein Resümee | NETZVATER - 8. September 2015

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